Montag, 10. März 2014

Die Sache mit der Integration


Nun gut, ich werde ein wenig mit der Sprache herausruecken. Ueber ein halbes Jahr hinweg habe ich mir so etwas wie ein zweites englisches Gehirn angelegt. Das stiftet Verwirrung, weil ich mich manchmal nicht daran erinnern kann, ob ich etwas auf deutsch oder englisch gelesen habe. Oder mir plötzlich ein englisches Wort in meinen schönen deutschen Satz huepft und ich einige Momente brauche, um es aequivalent zu ersetzen. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Ich bin sehr dankbar fuer die scheinbar selbstverstaendliche Toleranz, die mir als Islaendisch-halbwegs-Erahner-aber-kaum-Sprecher entgegengebracht wird.
In den ersten Wochen jedoch hat mich manchmal ein unerklaerlicher Groll im Bauch gepackt. Von Menschen umgeben zu sein, die du nicht verstehst, und die dich nicht verstehen, ist eine Probe. Du weisst nicht, warum alle lachen. Immer musst du jemanden um eine Uebersetzung bitten. Deine Sprache, ein Teil von dir, ist auf einmal fehl am Platz, unnuetz. Deine Gedanken muessen andere Wege finden.
Bis der Punkt kommt, an dem dieser Groll ueberwunden ist. Wenn du nach vielen kleinen Schritten deinen Ausblick geniesst. Wenn du erahnst, worum es geht. Wenn alle stolz auf dich sind, weil du auf islaendisch geantwortet hast. Wenn jemand "Danke" zu dir sagt.

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