Donnerstag, 26. Dezember 2013

Hamingja

Von nun an wird die Sonne wieder laenger bei mir verweilen. Wird das Meer zum blitzen bringen, wenn es sich mir entgegen wirft. Wird mich mit angehaltenem Atem einfach dastehen lassen. Den Blick in der Ferne. Den Wind in den Ohren. Und die ueberraschten Fuesse im Wasser, bevor sich die Wellen leise lachend ueber das gewonnene Spiel wieder zurueckziehen.
Mein einst so kleines Flaschenkind hat sich zu einem praechtigen Burschen entwickelt. Mit der Faehigkeit, einen ganzen Eimer Milch auszutrinken. Und einer Vorliebe fuer Rosinenbrot, die ich ihm wohl anerzogen habe.
Selbst der verschwundene Goldfisch ist in gewisser Weise reinkarniert. Einer der verbliebenen Drei hat seine Farbe angenommen.
Die Fenster des Stalls schmuecken Eisblumen. Einer Prinzessin wuerdig.


Donnerstag, 19. Dezember 2013

Að hestur


 Es gibt Situationen im Leben, in denen man sich nicht mehr auf zwei, sondern auf vier Fuessen fortbewegt. Wohlgemerkt nicht den eigenen. Sollte es dazu kommen, so seien dem Betroffenen ein paar wohlgemeinte und der Erfahrung entsprungene Ratschlaege ans Herz gelegt.
Bei der Auswahl eines geeigneten Reittieres laesst man sich am besten von der eigenen Persoenlichkeit leiten. Wer ein aufgeregtes Heupferd bevorzugt, dem sei es vergoennt.
Bevor man sich auf den Weg macht, wirft man dem Pferd allerlei zivilisierende Utensilien ueber. Beim Festziehen des Sattelgurtes ist Mitleid fehl am Platz, da just in diesem Moment in weiser Vorahnung nochmal ganz tief eingeatmet wird. Wenn man also vermeiden moechte, nach dem Aufsitzen in guter alter Old-Shatterhand-Manier kopfueber unter dem Bauch des Pferdes zu haengen,sollte man nach Leibeskraeften an genanntem Gurt zerren. Mangels pistolenzueckender Schurken, die ueberraschend aus dem Hinterhalt auftauchen, ist dieses Kunststueck ohnehin selten bis nie noetig.
Um ueberhaupt auf dem Ruecken des Pferdes zu landen, ist es angebracht, mit Gefuehl vorzugehen. Wer zu schwungvoll ist, findet sich sonst ploetzlich auf der anderen Seite wieder und darf von vorn anfangen. Hier zahlt es sich aus, wenn man ein Pferd der ruhigen Sorte gewaehlt hat, das derartige Versuche gelassen hinnimmt.
Sitzt man ersteinmal oben, konzentriert man sich auf seine eigene Ausgeglichenheit. Dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Die nahezu erschuetterungsfreie Gangart des Toelts ist eine wunderbare Erfindung. Das wird vor allem dann bewusst, wenn das Pferd die Laune verspuert, in eine andere zu wechseln. Um den Gang wieder umzulegen, kann man Verschiedenes ausprobieren. Vorlehnen. Zuruecklehen. Schwerpunkt aendern. In der Hoffnung die Schaltung gefunden zu haben auf einen Halswirbel druecken. Wenn alles nichts bringt und man sich immer noch in einem Huckel-Ruckel-Gang befindet, hilft nur Anhalten und Neustarten. Oder Beschleunigen. Im Galopp ueber die Schotterstrasse jagen. Aussicht geniessen nicht vergessen. Und feststellen: Auf dem Weg nach Hause wird auch der gemuetlichste Gaul zum rasenden Rennpferd.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Smári


Als er geboren wurde, war die Welt noch unwissend und so nannte man ihn den Kleinen. Wer haette auch ahnen koennen, dass aus dem Winzling einmal der groesste Hund von Dalatangi werden wuerde? Mittlerweile ist Smári zum alten Herrn des Hauses geworden. Ein verlaesslicher Bursche, der russische Kommandos beherrscht und genuegend Geduld hat, um mit einer Entenschar spazieren zu gehen. Ein findiger Kopf, fuer den kein Futter unerreichbar ist. Ein verstaendnisvoller Zuhoerer mit melancholischen Bersteinaugen, von denen eines zwinkert, wenn er dich ansieht.
In dem starken Koerper steckt ein zarter Charakter. Wenn du zu viel Krach machst, kann es sein, dass Smári einfach nach Hause laeuft. Dann rennt er, als seien Gewitterwolken hinter ihm her. 
Seine Leidenschaft gilt den Steinen. Darunter, dass oft wahre Hinkelsteine auserkoren werden, leidet seine Nase. Abhalten kann ihn das jedoch nicht. Zielstrebig traegt er einen nach dem anderen zu dir, bis du auf einem kleinen Gebirge sitzt und mit dem grossen Hund an deiner Seite ueber das Meer schaust. Seine Gesten sind kleine Trostpflaster auf ein von Hundeheimweh wundes Herz. 

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Lopi


Eine tolle Wolle, in die ich mich da rolle! Dalatangis flauschigsten Bewohnern wurde der Pullover ausgezogen. Dabei kam erneut meine bewaehrte Methode zur Anwendung. Anschleichen, packen, festhalten und zum Schertisch bugsieren, so lautet die Theorie. Doch die Wenigsten lassen die Prozedur lammfromm ueber sich ergehen. In der Praxis trifft man auf so manches Rodeoschaf, welches selbst waehrend des Scherens spektakulaere Luftspruenge vollfuehrt. Dabei steht es auf einem Tisch, der sich mit einem Hebel in eine rueckenfreundliche Hoehe befoerdern laesst. Von zwei Seiten gleichzeitig pellen sich die Schermaschinen ihren Weg und entkleiden so an einem Tag fast 80 Schafe.




Ist es erst einmal von seiner Wolle befreit, nehmen die Anderen den Neuankoemmling  genau unter die Lupe.
Bis auch sie im Freien dastehen. Jedes von ihnen traegt nun 2 kg weniger mit sich herum.
Kurios ist, dass selbst der kleinste schwarze Punkt die gesamte Wolle eines Schafes nicht mehr als reinweiss gelten laesst. Die muss dann in einen anderen Sack wandern. Also aufgepasst beim Schafkauf! So mancher Wattebausch entpuppte sich waehrend des Scherens als kleiner Dalmatiner.

Waehrend ich indessen bei Tee und Keksen froehlich vor mich hinhaekel, gibt es fuer die Schafe im warmen Stall nur eine Parole: Heu und Brot, Heu und Brot! Schliesslich muss bis zum Fruehjahr alles wieder drauf sein.