Donnerstag, 19. Dezember 2013

Að hestur


 Es gibt Situationen im Leben, in denen man sich nicht mehr auf zwei, sondern auf vier Fuessen fortbewegt. Wohlgemerkt nicht den eigenen. Sollte es dazu kommen, so seien dem Betroffenen ein paar wohlgemeinte und der Erfahrung entsprungene Ratschlaege ans Herz gelegt.
Bei der Auswahl eines geeigneten Reittieres laesst man sich am besten von der eigenen Persoenlichkeit leiten. Wer ein aufgeregtes Heupferd bevorzugt, dem sei es vergoennt.
Bevor man sich auf den Weg macht, wirft man dem Pferd allerlei zivilisierende Utensilien ueber. Beim Festziehen des Sattelgurtes ist Mitleid fehl am Platz, da just in diesem Moment in weiser Vorahnung nochmal ganz tief eingeatmet wird. Wenn man also vermeiden moechte, nach dem Aufsitzen in guter alter Old-Shatterhand-Manier kopfueber unter dem Bauch des Pferdes zu haengen,sollte man nach Leibeskraeften an genanntem Gurt zerren. Mangels pistolenzueckender Schurken, die ueberraschend aus dem Hinterhalt auftauchen, ist dieses Kunststueck ohnehin selten bis nie noetig.
Um ueberhaupt auf dem Ruecken des Pferdes zu landen, ist es angebracht, mit Gefuehl vorzugehen. Wer zu schwungvoll ist, findet sich sonst ploetzlich auf der anderen Seite wieder und darf von vorn anfangen. Hier zahlt es sich aus, wenn man ein Pferd der ruhigen Sorte gewaehlt hat, das derartige Versuche gelassen hinnimmt.
Sitzt man ersteinmal oben, konzentriert man sich auf seine eigene Ausgeglichenheit. Dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Die nahezu erschuetterungsfreie Gangart des Toelts ist eine wunderbare Erfindung. Das wird vor allem dann bewusst, wenn das Pferd die Laune verspuert, in eine andere zu wechseln. Um den Gang wieder umzulegen, kann man Verschiedenes ausprobieren. Vorlehnen. Zuruecklehen. Schwerpunkt aendern. In der Hoffnung die Schaltung gefunden zu haben auf einen Halswirbel druecken. Wenn alles nichts bringt und man sich immer noch in einem Huckel-Ruckel-Gang befindet, hilft nur Anhalten und Neustarten. Oder Beschleunigen. Im Galopp ueber die Schotterstrasse jagen. Aussicht geniessen nicht vergessen. Und feststellen: Auf dem Weg nach Hause wird auch der gemuetlichste Gaul zum rasenden Rennpferd.

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