Dienstag, 29. Oktober 2013

Vetursöngur


Auf kleinen weichen Sohlen
schleicht sie heran, die weisse Pracht
Und eh' sie sich versieht,
die Welt im feinsten Schnee erwacht
Die Möwe in den Klippen haust
steckt ihren Kopf tief ins Gefieder
der Fuchs das spitze Naeschen kraust
da ist er nun, der Winter wieder
Das Meer wirft schaeumend sich an Land,
geraet ganz ausser Rand und Band.
Der Wind ist schuld, er treibt es an
wuehlt es auf, ja dann und wann
versucht er gar, mich umzupusten
na warte, dir werd' ich was husten!
Das hattest du dir wohl gedacht,
mich als Drachen fliegen lassen,
ein alter Traum,
der neue Phantasie entfacht.
Doch vorerst ruft die liebe Pflicht
verlegen schau' ich in ihr Gesicht
"Verehrte Kuh, heut' leider nicht
kein Ausgang, Sie wissen, das schlechte Wetter...
schon bin ich in Erklaerungsnot,
sehen Sie doch, drinnen ist es viel netter" 
"Papperlapapp, dilettantischer Wicht,
dalli dalli, her mit dem Brot!"

Und da warten dann auch noch mehr hungrige Nasen
Schafe, Pferde, Ziegen und Hasen
Enten und Huehner, die Katze und Hunde,
finden sich ein in mampfender Runde.
Des Lebens Weisheit kommt in stillen Stunden,
und diese eine will ich hier bekunden:
Sitzt in klammen Fingern Frost,
spenden warme Nasen Trost.

 (beim letzten Reim handelt es sich um rebellischen Dadaismus)

Dienstag, 22. Oktober 2013

Froskur, I'm watching you!

Ich stehe vor einem ungeloesten Raetsel.
Vor ein paar Tagen sind vier Goldfische ins Aquarium eingezogen. Bunt, klein und putzmunter. Sie haben fleissig ihr Futter gefressen und sind ihre Runden geschwommen. Bis gestern. Da waren's nur noch drei. Obwohl ich das ganze Aquarium auf den Kopf gestellt habe, ist und bleibt ausgerechnet der typisch orange Goldfisch spurlos verschwunden. Meine Ermittlungen laufen seitdem auf Hochturen. Die Verdaechtigen lassen sich in drei Gruppen einteilen. Da haetten wir die beiden Schnecken, die viel Wert auf ihr harmloses Aeusseres legen. Eine hat sogar Moos angesetzt. Fernerhin ein scheuer Scheibenputzerfisch, der so gut wie nie unter seiner Wurzel hervorkommt. Und schliesslich meine Hauptverdaechtigen. Vier Froesche. Lungern die ganze Zeit zusammen hinter den Algen 'rum und beratschlagen dort sicher, wer das naechste Opfer wird. Zwei von ihnen wurden vorerst in ein zweites Aquarium zwecks Untersuchungshaft gesteckt. Sollte jemand von einem aehnlichen Fall gehoert haben, moege er sich bitte bei mir melden. Bis dahin observiere ich unauffaellig den Tatort und sammle Hinweise. Waere doch gelacht, wenn man diesen Goldfischmoerdern nicht das Handwerk legen koennte!


Und nun etwas zum aktuellen Wetter. Waehrend bei uns der Nebel die Herbstfarben verschluckt,sind die Berge von einer huebschen Schneeschicht bedeckt. Das Bild zeigt den Pass in Richtung Egilstaðir, die einzige Verbindung zur Aussenwelt, vom Boot einmal abgesehen. Auf in die Einsamkeit! Langweilig wird mir bestimmt nicht.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Unterwegs auf Schusters Fuchs

"Huh huh! Muhkuh!" Jeden Abend von Neuem beginnt die Suche nach Prinzessin Kuh. Denn die laesst sich von einem laecherlichen Pseudostromzaun nicht mehr aufhalten und geht neuerdings beliebig ihrer Wege. Und wenn sie dann in der Daemmerung hinter einem Felsen hervorschielt, wirkt sie wie ein zufriedener Osterhase. Habe ich sie aber erstmal gefunden, trottet sie mit der stillen Wuerde eines Verlierers in Richtung Stall. Ihr Sohn hingegen nutzt den Weg dahin, um mir mit seinen neuesten Stierkampffaehigkeiten zu imponieren. Im Kreis bockend und den bulligen Kopf gesenkt, gibt er eine ganz passable Erscheinung ab. Huepfende Zweibeiner, die zuckersuess quietschend seine weichen Ohren knuddeln wollen, schlagen ihn dann aber doch in die Flucht. Das ist anscheinend zuviel fuer seinen maennlichen Stolz. Obwohl ihm die Milch aus Mamas Euter nach wie vor schmeckt. Also spielt er morgens das Muttersoehnchen, abends den jungen Wilden.

Mit dem Meer vor der Haustuer und den Bergen gleich dahinter, nutze ich immer oefter die Gelegenheiten zu Wanderungen und Ausritten. Dabei bin ich sogar schon einem schneeweissen Polarfuchs begegnet. Im Uebrigen ist es eine Unmoeglichkeit, mit drei Pferden eine Picknickpause einzulegen, ohne den Apfel mit ihnen zu teilen. Dafuer darf ich dann aber auch den Pinsel zum Maler bringen.

Montag, 7. Oktober 2013

Velkomin kálfur!

Ole Pontús Gúnnarson!
Hinter diesem Namen verbirgt sich nicht etwa ein altehrwuerdiges Mitglied des islaendischen Parlamentes, sondern mein neuestes Flaschenkind. Eineinhalb Wochen alt, manchmal noch etwas wackelig auf den Beinen und mit den laengsten Wimpern der Welt.
Prinzessin Kuh allerdings benimmt sich noch ausgesprochen stiefmuetterlich. Deshalb gluckert ihre Milch nun ueber den Umweg Nuckelflasche in seinen Magen.
Sechs Liter am Tag saugt der kleine Mann zufrieden in sich hinein und ich bin zum begeisterten Nuckelflaschenhalter avanciert.

In den letzten Tagen habe ich vermehrt den Leuchtturm unsicher gemacht und seine Akustik fuer einmalig befunden. Wann immer es mich jetzt packt, schultere ich meine Gitarre und bin fuer eine Weile im Reich der Musik verschwunden.
Der Leuchtturm von Dalatangi ist ausserdem der Einzige in ganz Island, der im stolzen Besitz eines Nebelhorns ist. Beliebt ist er ohnehin. Nicht umsonst tummeln sich im Gaestebuch die Unterschriften von Touristen aus ganz Europa. Und jeden Abend, wenn die Daemmerung einsetzt, beginnt sein greller Lichtfinger ueber das Meer und die Berge zu wandern.

Drei der Pferde haben sich eine Auszeit verdient und wurden gestern in die Freiheit entlassen. Bis die ersten Schneestuerme kommen, koennen sie getrost ihrer Wege gehen. Dann geht es zurueck nach Hause.
Aber das dauert wohl noch ein Weilchen.