Montag, 30. September 2013

Heimförin


Rostrot, Ockergelb, Moosgruen und Silbergrau. Der Herbst schwingt seinen Pinsel durch die islaendische Landschaft. Bekleckst dabei das Blaubeergestraeuch an den Berghaengen und die Wiesen am Ufer des Meeres. Laesst die Welt in immer neuen Farben schimmern.

Der blaue Fleck auf meinem Knie, von einem wolligen Dickschaedel herruehrend, bemueht sich derweil angestrengt, es ihm gleichzutun. Momentan sind wir wieder bei einem rosigen Lila angelangt.

Ich bemuehe mich dagegen angestrengt, etwas Islaendisch in meinen Kopf zu klopfen.
Ein paar Regeln der Aussprache gefaellig?
U spricht man wie ü, ú wie u, ei wie ey, æ wie ei, ll wie tl, au wie öi, dann sind da noch þ bzw. ð und natuerlich gibt es fuer alles Ausnahmen.

Irgendwer hat mal gesagt, dass die Nerven im Gehirn einer Frau wie ein Spagetthihaufen vernetzt sind. Meiner ist zur Zeit ziemlich verknotet. Einzig wirksames Mittel dagegen : MUSIK. 

Dank des islaendischen Fernsehens habe ich eine neue Entdeckung gemacht: Ásgeir Trausti. Man beachte die Aussprache! Es sollte auf jeden Fall nicht Aasgeier dabei herauskommen. Abgesehen von seinem Namen, macht er ganz besondere Lieder, deren Texte mir das Islaendische ein Stueck naeher bringen.
Takk fyrir!

Montag, 23. September 2013

Rentiere im Exil


Es wird doch nichts mit dem regnerischen, stuermischen Herbst. Oder zumindest nicht so bald. Das islaendische Wetter hat es sich anders ueberlegt und schickt den gewohnten Sonnenschein. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin in den naechsten Fjord gefahren, um Seyðisfjoerður zu erkunden. Ein wirklich schoener Ort. Schoen und uebersichtlich.
Dennoch beherbergt er bei einer Einwohnerzahl von 717 Menschen eine Faehranlegestelle, eine Kirche, eine Einkaufsmoeglichkeit, eine Schule, eine Musikschule, ein Schwimmbad, eine Jugendherberge, ein Krankenhaus, das schwedische Konsulat, mehrere Kunstlaeden, ein Elektrizitaetsmuseum und all das, an dem ich bei meinem Spaziergang vorbeigelaufen bin. Ganz zu schweigen von den alten, daenischen Haeusern, deren leuchtende Farben sich im Wasser wiederspiegeln. Wer auch immer sich also in den Ostfjorden Islands verfaehrt, schlage ruhig den Weg nach Seyðisfjoerður ein!

 Auf der Rueckfahrt bin ich dann zum ersten Mal in meinem Leben Rentieren begegnet. Sie haben den Menschen, der da aufgeregt fotographierend am Wegesrand herumgehuepft ist, geflissentlich ignoriert und sind wuerdevoll weitergetrabt.

In Ermangelung weiterer, spannender Erlebnisse und aus aktuellem politischen Anlass moechte ich jetzt einen Auszug aus Volker Pispers' herrlichem Buch "Gefuehlte Wirklichkeiten" beisteuern.


"Jetzt sagen Se nich, et is schon wieder Montag.
Na, haben sie sich gestern auch verwaehlt? Nach jeder Wahl habe ich dieses komische Gefuehl, dass ich mich verwaehlt habe. Schlimm ist, dass man nicht auflegen und neu waehlen kann. Nein, man muss sich bis zur naechsten Wahl das Besetztzeichen anhoeren. Wir waehlen einfach zu selten. Deshalb lernen wir das Waehlen auch nicht richtig. Man waehlt, man aergert sich, man schwoert sich, das passiert mir nicht noch mal, aber nach vier oder fuenf Jahren hat man vergessen, was man beim letzten Mal falsch gemacht hat. Wir sind nicht waehlerisch genug. Wie wollen Sie auch bei diesem Parteienangebot waehlerisch sein? Jedes Geschaeft mit so einer duennen Auswahl waere doch laengst pleite. Bei unserer notorischen Unfaehigkeit zu waehlen, ist man hinterher schon froh, wenn Stefan Raab nicht Bildungsminister wird. Obwohl, wenn ich darueber nachdenke, es koennte schlimmer kommen!"

Und damit auch von mir: "Bis neulich!"

Montag, 16. September 2013

Wenn man einen richtigen Bergkvist trifft...

vor zwei Tagen...
heute!
Ich wusste es! Nachdem seit meiner Ankunft verdaechtig warmes und sonniges Wetter herrschte, zeigt Island heute sein wahres Nebelregensturmgesicht. Auf den Bergspitzen liegt Schnee und das Meer ist ein tosendes Untier, das sich schaeumend gegen die Klippen wirft. Alles in allem ein Grund zur Freude. Denn jetzt bequemen sich die Schafe von allein ins Tal, anstatt stur auf einem Bergzipfel zu hocken. Schafe, Schafe, Schafe...seit Tagen gibt es kein anderes Thema mehr. An die 250 von ihnen haben wir schon eingesammelt. Jetzt gilt es, die Restlichen aufzuspueren und nach Hause zu bringen. Also klingelt von morgens bis abends das Telefon.
 "Haben zwei Schafe am Mjoifjoerdur gesehen...habe ein Lamm gesehen, aber ohne Mutter... im Tal so und so...jaujaujau..." Und dann geht es los, den guten Hirten spielen. Oft sind wahre Tourischafe dabei, die den Sommer zum Wanderurlaub gemacht haben. Schaf heisst auf Islaendisch uebrigens kind.
Wenn man sie schliesslich in einem Gatter zusammen hat, muessen die fremden Schafe aussortiert werden. Also trennt man immer welche ab und packt sich dann eins. Leichter gesagt, als getan. Und wenn man denkt, jetzt hat man es sicher, haelt man ploetzlich ein Horn in der Hand! Oh Schreck. Dem Schaf geht es gut, aber ich habe von da an nur noch in die Wolle gegriffen.
Gestatten: Lina, kuschelig und hoffnungslos brotsuechtig
Hier irgendwo muss es sein...
Die Abende hier sind sehr gemuetlich. Danke, dass das islaendische Fernsehen englische Filme mit Untertiteln ausstrahlt! Daran, dass immer nur Krimis laufen, koennte man allerdings noch was aendern. Und dass die einzige deutsche Sendung "Sturm der Liebe" heisst...
Lustig wird es, wenn es 10 Minuten lang Nachrichten rein auf Gebaerdensprache gibt. Zuerst habe ich ein anderes Programm gesucht...Pustekuchen. Zu wissen, dass jetzt ganz Island auf einen lautlosen Bildschirm starrt und wartet...Recht so!  So sitze ich schliesslich sonst auch immer da.

Mir geht es hier ausgesprochen gut. Nachdem ich heute dem islaendischen Wetter getrotzt habe, um Prinzessin Kuh vor einer Erkaeltung zu retten, bin ich jetzt wieder warm und trocken. Die Speisekammer fuellen Blaubeersaft und Marmelade. Vielleicht laesst sich sogar noch ein moderater Krimi finden.
Der Herbst kann kommen!

Samstag, 7. September 2013

Maeh maeh! Jaujaujaujau.

Weiche Schale, harter Kern!
Wenn man islaendische Schafe einfangen will, muss man sich zuerst einen Ueberblick verschaffen. Man nehme also ein gewoehnliches islaendisches Auto und brause ein wenig durch die Landschaft. Wenn man weisse Punkte sieht, haelt man an und wartet.
Vorrausgesetzt, man hat diesen angenehmen Teil des Rettir erwischt. Wenn nicht, kraxelt man rufend und mit den Armen fuchtelnd hinter den Schafen her, die partout nicht einsehen wollen, dass der Sommer und damit ihre Freiheit in den Bergen vorbei ist. Ohne die Huetehunde wuerde man sich vermutlich umsonst zum Hampelmann machen. So aber galoppieren die Schafe ins Tal und in die Umzaeunungen. Natuerlich nur unter Protest und nicht ohne den ein oder anderen Fluchtversuch.
Mutter und Sohn sind Meister der Taeuschung!
Wie gesagt, gewoehnlich...
Bald soll es zu niedrigem Ross auf Schafsuche gehen. Dank einem wirklich gutmuetigen Exemplar namens Prins bin ich dafuer nun gewappnet. Im Toelt zu reiten ist unerwartet angenehm. Es sieht bestimmt lustig aus, aber darauf wird hier zum Glueck kein Wert gelegt.
Meine Faehigkeiten im Umgang mit stoerrischen Vierbeinern habe ich ausgebaut. Das muss ich auch, bin ich es doch, die morgens die Kuh mit ihrem Kalb auf die Weide bringt. Prinzessin Kuh bleibt allzugern stehen, zupft hier einen Grashalm, trinkt einen Schluck oder schlaegt ploetzlich die entgegengesetzte Richtung ein. Prinz Kalb steht seiner Mutter dabei in nichts nach. Wir diskutieren das dann immer sehr sachlich aus. Schlussendlich lassen sich alle Tiere mit einem triftigen Argument ueberzeugen: Brot. Aber Vorsicht! Wenn man Prinzessin Kuh die Hand reicht, nimmt sie die ganze Bine...