Montag, 23. September 2013

Rentiere im Exil


Es wird doch nichts mit dem regnerischen, stuermischen Herbst. Oder zumindest nicht so bald. Das islaendische Wetter hat es sich anders ueberlegt und schickt den gewohnten Sonnenschein. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin in den naechsten Fjord gefahren, um Seyðisfjoerður zu erkunden. Ein wirklich schoener Ort. Schoen und uebersichtlich.
Dennoch beherbergt er bei einer Einwohnerzahl von 717 Menschen eine Faehranlegestelle, eine Kirche, eine Einkaufsmoeglichkeit, eine Schule, eine Musikschule, ein Schwimmbad, eine Jugendherberge, ein Krankenhaus, das schwedische Konsulat, mehrere Kunstlaeden, ein Elektrizitaetsmuseum und all das, an dem ich bei meinem Spaziergang vorbeigelaufen bin. Ganz zu schweigen von den alten, daenischen Haeusern, deren leuchtende Farben sich im Wasser wiederspiegeln. Wer auch immer sich also in den Ostfjorden Islands verfaehrt, schlage ruhig den Weg nach Seyðisfjoerður ein!

 Auf der Rueckfahrt bin ich dann zum ersten Mal in meinem Leben Rentieren begegnet. Sie haben den Menschen, der da aufgeregt fotographierend am Wegesrand herumgehuepft ist, geflissentlich ignoriert und sind wuerdevoll weitergetrabt.

In Ermangelung weiterer, spannender Erlebnisse und aus aktuellem politischen Anlass moechte ich jetzt einen Auszug aus Volker Pispers' herrlichem Buch "Gefuehlte Wirklichkeiten" beisteuern.


"Jetzt sagen Se nich, et is schon wieder Montag.
Na, haben sie sich gestern auch verwaehlt? Nach jeder Wahl habe ich dieses komische Gefuehl, dass ich mich verwaehlt habe. Schlimm ist, dass man nicht auflegen und neu waehlen kann. Nein, man muss sich bis zur naechsten Wahl das Besetztzeichen anhoeren. Wir waehlen einfach zu selten. Deshalb lernen wir das Waehlen auch nicht richtig. Man waehlt, man aergert sich, man schwoert sich, das passiert mir nicht noch mal, aber nach vier oder fuenf Jahren hat man vergessen, was man beim letzten Mal falsch gemacht hat. Wir sind nicht waehlerisch genug. Wie wollen Sie auch bei diesem Parteienangebot waehlerisch sein? Jedes Geschaeft mit so einer duennen Auswahl waere doch laengst pleite. Bei unserer notorischen Unfaehigkeit zu waehlen, ist man hinterher schon froh, wenn Stefan Raab nicht Bildungsminister wird. Obwohl, wenn ich darueber nachdenke, es koennte schlimmer kommen!"

Und damit auch von mir: "Bis neulich!"

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